Lehrstück in Manipulation: Der heiße Kaffee von McDonalds

Ja und Nein. Die alte Dame, um die es hier geht, ist die 2004 verstorbene Stella Liebeck. Anfang der 1990er Jahre saß sie auf dem Beifahrersitz eines alten Ford Probes von ihrem Enkel. Ein Auto ohne Getränkehalter. So hielt sie jenen berühmten Kaffeebecher zwischen ihren Beinen fest, um ihn zu öffnen und Milch und Zucker dazuzugeben. Dabei verschüttete sie den Kaffee, der von ihrer Stoffhose aufgesaugt wurde und für starke Verbrühungen sorgte. Zwischen 6 und 16% ihres Körpers wiesen daraufhin Verbrennungen dritten Grades auf und es kam zu einer Hauttransplantation.

Stella Liebeck forderte 20.000 USD, um die Krankenhausrechnung zu bezahlen. McDonalds verweigerte die Zahlung und bot 800 USD an. Erst nach zwei erfolglosen außergerichtlichen Versuchen ging Stella Liebeck vor Gericht.

Vor Gericht wurden Stella Liebeck von der Jury dann nicht nur 160.000 USD Schadensersatz, sondern auch 2,7 Mio. USD Strafschadenersatz zugesprochen. Der Richter reduzierte den Strafschadenersatz auf 480.000 USD. Schließlich einigten sich Stella Liebeck und McDonalds außergerichttlich auf, so wird vermutet, eine Zahlung von ca. 600.000 USD.

Der Kaffee bei McDonalds hatte zu der damaligen Zeit eine Temperatur zwischen 82 und 82 Grad Celcius. Der Kaffee aus der heimischen Kaffeemaschine hat eine Temperatur von 50 bis 60 Grad Celcius. Und warum war der Kaffee so exorbitant heiß?

Dazu gibt es einige Erklärungen. So wird behauptet, McDonalds wollte die Leute davon abhalten, im Rahmen der „free refill policy“ den Kaffee zu oft aufzufüllen. Wenn der Kaffee zu heiß ist, trinken sie ihn nicht sofort aus bzw. verlassen schon vorher das Restaurant.Eine andere Erklärung lautet, dass der Kaffee bei der hohen Temperatur die beste Qualität hätte. Zwar kam es immer wieder zu Beschwerden aufgrund der hohen Temperatur. Doch McDonalds hat errechnet, dass die Schadensersatzklagen günstiger wären, als der Kaffee, den man kostenlose herausgeben würde.

Am Ende wurde der ganze Fall in den Medien so verkürzt dargestellt, dass er als absurd und beispiellos in die Geschichte einging. Böse Zungen behaupten sogar, dass McDonalds versucht hat, wenigstens den Image-Schaden gering zu halten und Stella Liebeck so darzustellen. Leider ist noch nicht überall angekommen, und der ganze Fall wird immer noch oberflächlich als Bereicherung skizziert. Wie z.B. bei der Huffington Post, die den Fall in 2014 zwar als Musterbeispiel eines absurden Falles aufnimmt, aber gar nicht daran denkt, die Hintergründe aufzulösen.

Ja. Natürlich darf man darüber streiten, ob das Verschütten von heißem Kaffee dem Verkäufer des Kaffees angelastet werden kann. Nichtsdestotrotz wurde eben diese Frage nicht gestellt sondern Stella Liebeck pauschal der Stempel aufgedrückt. Es geht also weniger um die Schuldfrage, sondern um die Frage, wie verkürzt manche Sachen dargestellt werden, gleichzeitig Emotionen gefördert werden um dann daraus ein bestimmtes Bild zu erzeugen.

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