Milch - wie gesund ist der beste Freund des Menschen?

Milch – wie gesund ist der beste Freund des Menschen?

„Milch macht müde Männer munter“ – der Werbeslogan der Milchwirtschaft ist mittlerweile fast 70 Jahre alt und trotzdem noch in aller Munde – wie das Produkt, das er bewirbt. Milch. Pro Jahr konsumiert jeder Deutsche im Durchschnitt 94 kg Milch. Milch wird nicht nur pur getrunken sondern auch zum Verfeinern von Kaffee oder als Beigabe zum allmorgendlichen Müsli genutzt. Vom Milchkonsum versprechen wir uns Munterkeit, Gesundheit und weniger spröde Knochen.

Doch glaubt man einigen Ernährungs-Evangelisten, läßt sich am Milchkonsum die Grausamkeit des modernen homo sapiens erkennne. Kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten trinkt schließlich die Babynahrung anderer Lebewesen. Nur wir Menschen tun das. Und das sogar mit Genuss und angeblich ohne sinnvollen Nutzen für den Körper. Im Gegenteil – die Laktoseintoleranz hat es im Rahmen der verdeckten Kritik an der Gentrifizierung Berlins sogar in den regelmäßigen Wortschatz geschafft.

Ist Milch gesund – Pro und Kontra

Die fünf wichtigsten und diskutablen Inhaltsstoffe der Milch sind die folgenden:

  • Kalzium,
  • Proteine,
  • gesättigter Fettsäuren,
  • trans-Fettsäuren sowie
  • Laktose und
  • MicroRNA.

Während der Nutzen von Kalzium und Proteinen auf der einen Seite und die Nachteile der gesättigten Fettsäuren und Transfette auf der anderen Seite unstrittig ist, sind es vor allem Laktose und MicroRNA, die in der jüngeren Vergangenheit für Ungewissheit gesorgt haben.

Kalzium und Proteine

Fettsäuren

Milchfett besteht aus etwa 400 Fettsäuren. Und gesättigte Fettsäuren sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. So hat man herausgefunden, dass der Verzicht auf gesättigte Fettsäuren keinen Vorteil bringt. Wie so oft ist das nur eine Frage der Dosierung. Auch die Bedeutung der trans-Fettsäuren ist nicht sicher. Allerdings gilt hier zwischen natürlichen und industriellen trans-Fettsäuren zu unterscheiden. So sind die Trans-Fettsäuren in der Kuhmilch unbedenklich. Lediglich Trans-Fettsäuren die bei der Zubereitung von z.B. Pommes entstehen sollte man meiden, da diese nachweislich die Cholesterin- und Blutfettwerte negativ beeinträchtigen.

Laktose und Laktoseintoleranz

Eine Unverträglichkeit für Laktose, den Milchzucker, entsteht, weil das zur Verdauung benötigte Enzym Laktase nicht oder nur unzureichend vorhanden ist. Man vermutet, dass etwa 75% der erwachsenen Weltbevölkerung unter dieser Unverträglichkeit leiden. Im deutschsprachigen Raum sind es allerdings nur 15%, in Schweden sogar nur 2%. Forscher haben herausgefunden, dass sich die Fähigkeit Laktose zu verdauen erst im Laufe der Geschichte, genauer mit der Ausweitung der Landwirtschaft, entwickelt hat.

Die Bewertung der Bedeutung von Laktose für den menschlichen Körper ist relativ einfach.  So hat eine schwedische Studie gezeigt, dass Menschen mit Laktoseintoleranz seltener an Brust-, Eierstock-, oder Lungenkrebs erkranken, wenn sie auf Milchprodukte verzichten. Wer unter der Unverträglichkeit für Milchzucker leidet.

MicroRNA

Dabei handelt es sich um Erbgut-ähnliche Moleküle, denen ein Einfluss auf die Gen-Aktivität in unserem Körper nachgesagt wird. Bei Säuglingen und Kälbern wirkt sich das positiv auf das Wachstum aus. Bei Erwachsenen kann sich dieser Effekt auch nachteilig auswirken. Das schreibt jedenfalls der Dermatologe Bodo Melnik.  So wird MicroRNA mit Akne, Arterienverkalkung, Diabetes, Übergewicht und Krebs in Verbindung gebracht. Soweit die Theorie. In einer Studie konnten die Verdächtigungen bisher nicht eindeutig bestätigt werden. Dementgegen konnte lediglich die geringe Förderung von Prostatakrebs durch den World Cancer Research Fund nachgewiesen werden.

Bisher lässt sich eine negative Wirkung von MicroRNA im menschlichen Körper jedenfalls nicht vollständig bestätigen, dazu ist der Forschungsstand noch zu dünn.

Katharina Nimptsch vom Max-Delbrück-Centrum stellt fest, dass Milch sogar einen schützenden Effekt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben kann.

Wie viel Milch soll man trinken?

Die Fähigkeit Milch zu verdauen entstand erst im Laufe der jüngeren Menschheitsgeschichte. Als Argument gegen den Milchkonsum funktioniert das also ziemlich gut.. Schließlich ist es nur der Evolution zu verdanken, dass der moderne Mensch Milch trinken kann.

Die Ergebnisse der Studien sind allerdings zu uneinheitlich, um eine generelle Warnung vor Milch auszusprechen. Es gibt Lebensmittel- und Nahrungsmittel, deren schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper in Studien explizit nachgewiesen werden konnte. Bei der Milch scheint das nicht der Fall zu sein und die einzige Empfehlung die man geben kann ist wie immer: Die Dosis macht das Gift. Die Expertin Katharina Nimptsch empfiehlt zusammenfassend, dass „ein, zwei Tassen“ Milch am Tag nicht verkehrt wären.